Conti-Chef Neumann vor Ablösung?

31. Juli 2009

In der Schlammschlacht um die Macht bei Conti und die Zukunft der Unternehmen Continental und Schaeffler wurde gestern ein weiteres Kapitel aufgeschlagen:In der Vorbesprechung zur gestrigen Aufsichtsratsitzung überraschte Hauptanteilseigner Schaeffler mit der Forderung, Neumann als Vorstandsvorsitzenden durch Elmar Degenhart, Chef von Schaefflers Autosparte zu ersetzen und den Posten des seit Hippes Abgang freien Finanzvorstands mit Klaus Rosenfeld (Finanzchef bei Schaeffler) neu zu besetzen.

Dr. Karl-Thomas Neumann (Bild: Continental AG)

Dr. Karl-Thomas Neumann (Bild: Continental AG)

Dieses Vorgehen ist vor dem Hintergrund der geplanten Kapitalerhöhung bei Conti zu sehen, die die Hannoveraner unabhängiger machen könnte. Wie bei Porsche und VW deutete in den letzten Wochen alles darauf hin, dass Conti aus der Übernahmeschlacht als Sieger hervorgehen könnte, wenn man in Zusammenarbeit mit den Banken durch eine Eingliederung Schaefflers die Risiken reduzieren könnte.

In der um 17 Uhr begonnenen Aufsichtsratsitzung präsentierte Neumann trotzdem sein Konzept für die Zukunft von Continental. Hauptbestandteil ist eine Kapitalerhöhung um bis zu 1,5 Milliarden Euro, die Continental in sichere Fahrwasser bringen soll und vom Aufsichtsrat angenommen wurde.

Die zur Ablösung Neumanns erforderliche Dreiviertelmehrheit kam in der gestrigen Sitzung nicht zustande, weil sich die Vertreter der Arbeitnehmer hinter Neumann stellten. Nun wird es in den nächsten Tagen eine weitere Aufsichtsratssitzung geben, bei der der Aufsichtsratsvorsitzende eine zweite Stimme erhält und Neumann mit einfacher Mehrheit abgewählt werden kann.

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3 Reaktionen

  1. Markus Burgdorf Juli 31st, 2009 at 00:57

    Der Conti-Plan war gut: Mit Hilfe einer Kapitalerhöhung wollte man zusammen mit den Banken das Risiko reduzieren und zur finalen Abwehr der Übernahme Schaeffler nun selbst übernehmen.

    Der Schachzug von Schaeffler, nun die Spitze von Conti auszuschalten und mit eigenen Leuten zu besetzen ist der letzte Trumpf, den die Herzogenauracher noch ausspielen können. Aber dieser Trumpf sticht – und macht damit die Bemühungen der Conti um Wahrung der Unabhängigkeir effektvoll zunichte.

    Tatsächlich könnte Schaeffler damit die Schlacht gewinnen und den Krieg verlieren, denn wenn Neumann gehen muss, werden weitere Probleme entstehen, die die Bemühungen, Stabilität herzustellen empfindlich stören dürften.

  2. admin August 7th, 2009 at 18:50

    Ich habe heute der Überschrift des Artikels ein Fragezeichen hinzugefügt. Denn es gibt durchaus Hoffnung, dass Neumann im Amt bleibt. In der Zwischenzeit haben sich zahlreiche Befürworter Neumanns zu Wort gemeldet und es sicherte auch durch, dass die Banken über den Vorstoß Schaefflers nicht informiert gewesen seien. Man sei deshalb nicht gerade begeistert. Auch Ex-Kanzler Gerhard Schröder hat sich inzwischen eingeschaltet und wird in seinem Bemühen vom Ministerpräsidenten Christian Wulff unterstützt. Mitarbeiter sammeln Unterschriften (gut für die Stimmung aber wohl wirkungslos), um ihren Chef behalten zu können.

    Die Entscheidung liegt nach wie vor auf Seiten der Kapitalvertreter im Aufsichtsrat. Hier sehe ich die größte Chance, dass die von Schaeffler unabhängigen Aufsichtsräte ihre macht ausspielen. Wäre schade und unverständlich, wenn diese sich zum Büttel machen würden.

  3. admin August 7th, 2009 at 19:08

    Nachgereicht noch das offizielle Statement von Dr. Karl-Thomas Neumann zu der denkwürdigen Aufsichtsratssitzung:

    Es hat heute es länger gedauert als geplant. Aber wir haben heute die Voraussetzungen da¬für geschaffen, dass dieses Unternehmen auch in Zukunft ein stabiles finanzielles Funda¬ment haben wird.

    Der Aufsichtsrat hat heute die Vorbereitung einer erheblichen Kapitalerhöhung genehmigt, um damit unsere Kapitalstruktur deutlich verbessern zu können. Wir werden so bald wie möglich über die Ausgabe von neuen Aktien zusätzliches Eigenkapital einsammeln.

    Es freut uns, den Vorstand der Continental, sehr, dass wir diese Unterstützung vom Auf-sichtsrat bekommen haben. Diese Entscheidung wird zum Vorteil aller unserer Stakeholder sein, also unserer Mitarbeiter, unserer Eigentümer, unserer Kunden und Lieferanten und auch unserer Kreditgeber.

    Die Kapitalerhöhung gibt uns nicht nur mehr unternehmerische Flexibilität. Sie gibt uns allen auch ein Stück mehr Sicherheit. Und Sicherheit, meine Damen und Herren, ist ja wohl das wichtigste, was man heutzutage haben kann.

    Vorstand und Aufsichtsrat haben die Entscheidung getroffen, die im Interesse beider Unter-nehmen ist. Wenn Continental von einem starken finanziellen Fundament aus operieren kann, dann nützt das auch Schaeffler.

    Es hat auf dem Weg zu dieser Entscheidung ungewöhnliche und sehr enttäuschende Ent-wicklungen gegeben, die ich hier nicht kommentieren möchte. Diese machen es mir aber schwer, sehr schwer, auf Dauer vertrauensvoll mit unserem Großaktionär zusammen zu ar-beiten. Dessen ungeachtet fühle ich mich der Continental und ihren 130.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern persönlich verpflichtet. Bei diesem großartigen Continental-Team möchte ich mich ausdrücklich für die herausragenden Leistungen unter schwierigsten Bedingungen bedanken. Wir sind auf einem guten Weg, das zeigen die heute veröffentlichten aktuellen Quartalsergebnisse. Auf diesem Weg wird Continental entschlossen weiter gehen und erfolg-reich sein.

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