Continental-Aufsichtsrat befürwortet Prüfung der Tragfähigkeit einer Zusammenführung von Continental und Schaeffler
8. Juni 2009Der Aufsichtsrat der Continental AG hat sich auf seiner Sitzung am Montag in Hannover über verschiedene Zukunftsszenarien für den Automobilzulieferer, darunter auch über die Option einer Zusammenführung von Continental AG und Schaeffler beraten. Der Continental-Aufsichtsrat hat in diesem Kontext den Vorstand gebeten, alle Aspekte einer Zusammenführung von Continental und Schaeffler, insbesondere deren finanzielle Tragfähigkeit, zu prüfen. Dieser Prozess soll bis Ende Juli abgeschlossen werden. Zugleich soll der Vorstand parallel alternative Optionen und deren mögliche Umsetzung analysieren.
„Wir müssen sorgfältig und verantwortungsvoll prüfen, ob eine vollständige Zusammenführung von Continental und Schaeffler im wirtschaftlichen Interesse der Continental AG ist und von den anderen Beteiligten mitgetragen werden kann”, sagte Aufsichtsratsvorsitzender Rolf Koerfer. „Die industrielle Logik dieser Verbindung liegt jedenfalls auf der Hand. Wir haben die große Chance, hier in Deutschland den zweitgrößten Automobilzulieferer der Welt zu schaffen.”
Dr. Jürgen M. Geißinger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Schaeffler Gruppe und Mitglied des Aufsichtsrats der Continental AG, sagte: „Ich bin überzeugt, dass eine Zusammenführung operative und technologische Vorteile für beide Unternehmen und ihre Kunden bringen kann. Die zentrale Frage ist, wie das industrielle Konzept am besten umgesetzt werden kann. Hierbei sind die wirtschaftlichen und finanziellen Chancen und Risiken jedoch sorgfältig abzuwägen.“
Nach den Worten des Continental-Vorstandsvorsitzenden Dr. Karl-Thomas Neumann verlaufen die Gespräche mit Schaeffler sehr konstruktiv. „Wir befinden uns zwar noch in der konzeptionellen Phase dieses Prozesses, aber das industrielle Know-how, das wir bisher von der Schaeffler Gruppe gesehen haben, stimmt uns positiv. Schaefflers Mechatronik-Kompetenz und unsere Stärken bei Elektronik- und Softwaresystemen ergänzen sich sehr gut. Das Industriegeschäft von Schaeffler würde neben der Rubber Group die notwendige Balance zwischen dem Automotive- und dem Non-Automotive-Geschäft der neuen Gruppe deutlich verbessern. Wir werden jetzt zielstrebig und ergebnisoffen prüfen, ob eine Zusammenführung der beiden Unternehmen unter Wahrung des Kapitalmarktzugangs für unsere Kreditgeber und Anteilseigner tragfähig und wertsteigernd ist.”




admin Juni 15th, 2009 at 21:24
Die hohe Schule der Diplomatie
In den letzten Monaten gab es des öfteren einen offenen Schlagabtausch zwischen Conti und Schaeffler. Man regte sich über das Anschleichen des Kleineren auf, über Tricks im Übernahmekampf und gezzielte Indiskretionen. Inzwischen hat man verstanden, dass man nur gemeinsam die Karre aus dem Dreck ziehen kann.
Gemeinsam heißt allerdings, dass die stärkere Conti nun zunehmend das Ruder in die Hand nimmt, damit das leckgeschlagene Schiff wieder auf Kurs gebracht wird. Schaeffler hat sich übernommen und wartet nahezu bewegungsunfähig auf ein möglichst mildes Verhalten der Banken. Deren Interesse kann es nur sein, dass die Kredite nicht abgeschrieben werden müssen, denn Wertberichtigungsbedarf gab es in den letzten Monaten genug.
Also geht man den Weg, der die größten Chancen für ein Überleben der beiden Automobil Zulieferer bietet: Continental erwacht aus dem Übernahmeschock und übernimmt nun ihrerseits die geschwächte Schaeffler-Gruppe. Selbst wenn man sich das im letzten Jahr in Herzogenaurach wohl in den übelsten Albträumen nicht geträumt hätte, ist nun Continental am Zug. Sicher etwas gebremst durch den von Schaeffler-Freunden durchsetzten Aufsichtsrat, aber dennoch mit genug Drive und dem Rückenwind von der Bankenseite.
Und so muss auch der Schaeffler-Boss und Architekt der Übernahme nun mit krächzender Stimme in das Loblied einer Vereinigung unter Führung von Conti einstimmen.
Es ist auch der einzige Weg, um aus dem Dilemma herauszukommen. Conti erhöht das Kapital, sobald die Börse willig ist, und nimmt Schaeffler unter die Fittiche. Allemal besser als ein Verkauf der Reifensparte, denn die liefert immer brav das Geld ab, damit der Vorstand experimentieren kann.