Konflikt um Conti-Stöcken beigelegt: Kompromiss erzielt
22. Mai 2009In der Auseinandersetzung um die Nutzfahrzeug-Reifenproduktion am Continental-Standort Hannover-Stöcken haben Geschäftsleitung, IG BCE und Betriebsräte eine einvernehmliche Lösung erzielt. Das Kompromisspaket nutzt alle arbeitsmarktpolitischen Instrumente und eröffnet Perspektiven für 2010. „Das Paket ist das Ergebnis mehrerer intensiv geführter Gesprächsrunden, die mehrfach kurz vor dem Scheitern standen. Am Ende haben sich aber beide Seiten aufeinander zu bewegt und sind damit vor dem Hintergrund der extrem schwierigen und komplexen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ihrer Verantwortung gerecht geworden“, sagte IG BCE-Vorstandsmitglied Werner Bischoff am Dienstag in Hannover.

Kompromisslösung gefunden: Conti-Werk Hannover Stöcken
„Wir haben bewiesen, dass man mit uns immer über vernünftige Lösungen sprechen kann. Die niedersächsische Landesregierung hat die Gesprächsinitiative positiv begleitet. Mit dem Kompromiss tragen wir der unveränderten Situation und immer massiveren Markteinbrüchen mit notwendigen Produktionsanpassungen in Europa Rechnung. Der Kompromiss eröffnet uns bereits 2010 die notwendige Möglichkeit, unser Produktionsportfolio operativ zu optimieren. Gleichzeitig leiten wir den Prozess ein, der mit Verhandlungen über Interessenausgleich und Sozialplan dem betroffenen Teil der 780 Beschäftigten so bald wie möglich Klarheit über ihre Zukunft verschafft“, sagte der für die Nfz-Reifen-Division verantwortliche Continental-Vorstand Dr. Hans-Joachim Nikolin.
Der erzielte Kompromiss enthält im Wesentlichen folgende Elemente:
- Die Produktion von Nfz-Reifen am Standort Hannover-Stöcken ruht aufgrund der massiven Nachfrageeinbrüche in Europa ab Ende 2009. Für die verbleibenden Mitarbeiter ist bis zum Ende der vom Gesetz vorgesehenen Dauer eine Kurzarbeit zu 100 % vorgesehen.
- Das Unternehmen hält bis Jahresende 2010 eine Produktionszelle mit einer Kapazität von 500.000 Reifen vor, für deren Betrieb 300 Beschäftigte benötigt werden.
- Ende Juni 2010 wird aufgrund der dann absehbaren Marktentwicklung entschieden, ob 2011 eine Fertigung in dieser Produktionszelle erfolgen wird.
- Für 50 Beschäftigte werden Arbeitsplätze im Rahmen des Stöckener Standortkonzepts geschaffen.
- Für rund 200 Mitarbeiter werden gemeinsam zwischen Werkleitung und Betriebsrat Möglichkeiten zum sozialverträglichen Ausscheiden in 2009 geschaffen.
- Weitere rund 225 Mitarbeiter werden 2010 auf Basis eines Interessenausgleiches und Sozialplans verteilt auf die ersten drei Quartale in 2010 ausscheiden.
- Sollte die Produktionszelle aus Marktgründen 2011 nicht den Betrieb aufnehmen können, werden die vorgesehenen 300 Mitarbeiter Im Rahmen des in 2009 ausgehandelten Interessenausgleichs/Sozialplans zum Ende 2010 ausscheiden.
„Wir haben in den Kompromiss auch Elemente des Anfang dieses Jahres ausgehandelten Eckpunktepapiers eingearbeitet, insbesondere in Sachen Kurzarbeit und Weiterbildung. Zudem wird erst Mitte 2010 endgültig über die Zukunft der Produktion entschieden. Damit haben wir Zeit gewonnen und Optionen eröffnet, das war uns sehr wichtig“, sagte der Stöckener Betriebsrat Michael Deister.
Auslöser der Auseinandersetzung waren die massiven Nachfrageeinbrüche im Nfz-Reifenmarkt in Europa in Folge der Wirtschaftskrise. Als Reaktion musste Continental die Produktionskapazitäten an den Standorten Puchov, Slowakei, Otrokovice, Tschechien und Hannover-Stöcken um mehr als 2 Millionen Reifen nach unten anpassen.


admin Mai 22nd, 2009 at 19:45
Mit diesem Kompromiss kann eigentlich keiner zufrieden sein: Das Management nicht, weil in Stöcken weiter Kosten entstehen und die Arbeitnehmerseite nicht, weil hier die Schließung nur aufgeschoben wird. Es bleibt ein Sterben auf Raten.
Vielleicht wäre ein Ende mit Schrecken besser gewesen, um zumindest an dieser Baustelle fertig zu sein. Nun kommt der Steuerzahler für das Kurzarbeitergeld auf und die Mitarbeiter haben die Möglichkeit, jeden Tag Bewerbungen zu schreiben oder sich zu qualifizieren. Da mag manchem Kleinunternehmer die Hutschnur platzen, aber so ist es nunmal in Deutschland: Gewinne werden privatisiert, Verluste dürfen alle tragen.