Hubertus von Grünberg schmeißt hin
6. März 2009
Dr. Hubertus von Grünberg (Foto: Continental)
Der Vorsitzende des Aufsichtsrats der Continental AG, Hannover, Dr. Hubertus von Grünberg, hat am Freitag in Frankfurt/Main seinen sofortigen Rücktritt erklärt. Er legt auch sein Amt als Aufsichtsratsmitglied der Continental AG mit sofortiger Wirkung unter Hinweis auf persönliche Gründe nieder.
Bis zur Wahl eines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden steht der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Werner Bischoff dem Gremium vor. Vorangegangen war ein Krieg mit dem in Hannover ungeliebten Großaktionär, der Schaeffler Gruppe, die bereits wiederholt den Rücktritt von Grünbergs gefordert hatte. Bereits am 24. Januar hatte von Grünberg angeboten, sich auf der anstehenden Hauptversammlung nicht zur Wahl zu stellen, die Entwicklung der letzten Wochen waren dann aber doch mehr, als auszuhalten war.
Von Grünberg war seit 1999 Vorsitzender des Aufsichtsrates der Continental AG und zuvor von 1991 bis Juni 1999 Vorstandsvorsitzender des Unternehmens. Er hatte den Kauf von Teves arrangiert und damit Weitblick bewiesen. Der Zukauf der Fahrzeugelektronik war zu einem Zeitpunkt erfolgt, als noch niemand an eine Durchsetzung des ESP bis hin in die Kompaktklasse zu träumen wagte. Und auch die Weiterentwicklung der Sensortechnologie sowie diverser weiterer elektronischen Hilfssysteme war von ihm voraus gesehen worden.
Er war der erste Vorstandsvorsitzende, der zusätzlich zu seinem Amt auch die Reifensparte führte und den Grundstein für viele Erfolge der kommenden Jahre legte.
In dem stets etwas fahrig wirkenden von Grünberg verbirgt sich ein Mensch, der stets hellwach auf Chancen reagiert und dabei den Blick auf das große Ganze beweist. Das Engagement von Schaeffler hätte Sinn machen können, nachdem Continental von Analysten heruntergestuft zu einem Übernahmekandidaten wurde. Dass es so desaströs werden würde, hat von Grünberg sicher nicht erwartet und der ziemlich “schmal-lippig” kommunizierte Ausstieg wird seinen Leistungen für das Unternehmen nicht im geringsten gerecht.
Als Mitarbeiter habe ich stets Hochachtung für von Grünberg empfunden. Er analysiert blitzschnell und ist in seinen Entscheidungen verlässlich und korrekt. Er unterstütze mich persönlich nach seinen Möglichkeiten und nahm meine Einladungen zu Terminen gern an. Man lernte ihn dabei noch von der anderen Seite kennen, nicht als VV, sondern vielmehr als technikbegeisterter Mensch, der mit vollem Elan bei der Sache ist. Dabei war er ein besonders interessanter Gesprächspartner auch für die J0urnalisten. Manche werden sich noch an die Veranstaltungen erinnern, bei denen ich ihn bat, nach jedem Gang beim Essen den Tisch zu wechseln – so hatten alle Gäste die Chance, ihn persönlich zu erleben und zu sprechen. Er konnte dann die Gäste am jeweiligen Tisch hervorragend unterhalten und es war nicht immer einfach, ihn dann zum nächsten Tisch zu bringen.
Von Grünberg hörte auch zu – und entschied Veränderungen, die unmachbar schienen. Als ein Mitarbeiter auf Sachbearbeiterebene ihn auf die unsinnige Konzern-Logo Gestaltung hinwies (Continental war mal kurze Zeit grün), wurde diese Fehlentwicklung sofort korrigiert und diejenigen, die vorher sooo stolz auf ihre Konzern-Visitenkarten gewesen waren, durften diese vernichten, weil der Konzern wieder das Gelb der Marke Continental übernahm.
Im Gegensatz zu manch anderen war und ist von Grünberg kein Opportunist, niemand der den Weg des geringsten Widerstands geht. Aber dabei ging es ihm immer um die Weiterentwicklung von Continental.
Markus Burgdorf



